RTF „Auf der Fährstraße“ des VfL Stade

An diesem Sonntag wollte ich Gas geben, vorn aus dem ersten Block starten und nur auf mich selbst achten müssen. In der Gruppe war ich in letzter Zeit genug unterwegs.

Die Vorbereitung lief nicht ganz zweckmäßig. Daher betrachte ich den Besuch des Harsefelder Open-Air Konzertes am Vorabend und die anschließende Teilnahme an einer Geburtstagsparty mit insgesamt 4 Bieren bis 3 Uhr morgens eben als „zusätzlichen Trainingseffekt“. So lange sollte das eigentlich nicht dauern... Aus der Anreise per Fahrrad wurde nichts. Was soll's, dachte ich, als nach knapp 4 Stunden Schlaf der Wecker klingelte, Fahrradgepäckträger ans Auto und eine halbe Stunde mehr Zeit haben.

Das Wetter sah nicht so gut aus. Nach Stade hinein fuhr man wie unter eine Wolkendecke und es nieselte leicht.

In Stade, an der Harsefelder Straße vor der B73, bemerkte ich das erste Schild, das zum Startort der RTF wies. Die Beschilderung setzte sich lückenlos bis zur Glückstädter Straße fort. Dort stand ein Posten, der mich auf den Parkplatz lotste und darauf ein Einweiser, der mir einen Parkplatz zuwies. Ein guter Anfang.

Das Meldebüro war leicht zu finden. Ich zählte drei „Schalter“, zwei fast leere und einen mit einer kurzen Schlange. Zu meiner Überraschung war der mit der Schlange der Schalter für BDRler. Das hätte ich nicht gedacht. Nun gut. Ich kam schnell dran, gab die Anmeldung für die 112km Strecke ab (diese Distanz wollte ich von Anfang an fahren, allerdings mit An- und Abfahrt per Fahrrad) sowie meine Wertungskarte, zahlte 4 Euro und erhielt den Kontrollzettel mit Streckenbeschreibung und einer kurzen mündlichen Erläuterung. Alles prima.

Übrigens sah ich an einem der Schalter Irfan zum ersten Mal in „zivil“, ohne Radtrikot und Helm. Ich brauchte einen Moment, bis ich ihn erkannte. Ist schon gediegen, wie anders man im „Dress“ aussieht. Wie ich aus deren Forum wußte, waren auch viele RBH-ler dort, die ich zum Teil begrüßte. Es tut mir leid, dass das nicht bei allen geschah. In der Halle war so ein Gewusel und ich wollte unbedingt in den ersten Startblock.

Nach der Startlinie musste ich fragen. Einen Hinweis sah ich nicht, wahrscheinlich, weil ich übernächtigt war. Gegen 8:55 Uhr stand ich startbereit im ersten Block.
Als ich meinen GPS-Empfänger einschaltete und den Track mit der 112er Route lud, erlebte ich eine Überraschung. Es sollten 84 km bis zum Ziel sein. Ich war sicher, den richtigen Track von der VfL-Website geladen zu haben. Danach hätten es 111,7 km sein müssen! OK, ich begnügte mich also mit der Aufzeichnung der Strecke.
Im Verlauf der Tour zeigte sich, dass die Strecke hervorragend ausgeschildert war. Hilfsmittel wie Navi oder Streckenplan waren an keiner Stelle nötig. Bei der Markierung zeigte sich, dass Profis am Werk waren. Wo immer möglich, kam vor einem Abzweig ein Richtungspfeil und dann am Abzweig selbst ein weiterer Richtungspfeil. Nach dem Abbiegen und an Kreuzungen, an denen es geradeaus ging, befand sich Romben, also Schilder, die geradeaus wiesen. Ausgezeichnet ausgezeichnet!

Pünktlich um 9:00 Uhr ging es los, nach links weg, Richtung Schölisch. Das Tageblatt schoss gegenüber der Einfahrt ein paar Fotos. Eines davon wurde in der Montagsausgabe veröffentlicht. Da bin ich mit drauf (:-)). Es regnete mittlerweile nicht mehr, aber die Straßen waren noch so nass, dass mein Fahrrad und ich auf den ersten Kilometern richtig schön eingesaut wurden.

Die ersten setzten sich gleich ab. Obwohl das nicht meine erste „Renn-“RTF ist, war ich sofort so weit abgeschlagen, dass es einige Kilometer Aufholjagd kostete, bis ich wieder an die Spitzengruppe ran kam. Mist, dass kostete ordentlich Körner. Ich war froh, trotz meiner suboptimalen Form und des starken Gegenwindes Anschluss halten zu können. An Führungsarbeit war bei dem hohen Tempo nicht zu denken. Auch unterwegs konnte ich außer „dran bleiben!“ kaum einen klaren Gedanken fassen.

Bei der ersten Kontrollstelle, nach ca. 28 km, machte ich einen Anfängerfehler. Ich hatte nicht darüber nachgedacht, wie ich mich hier verhalten wollte. Einige bogen ab, andere fuhren weiter. Ich verzögerte und entschied mich dann doch gegen den Stopp. Von der Spitzengruppe riss ich dadurch ab. Sie zog langsam davon und verschwand schließlich aus meinem Blickfeld. Den Folgefehler vermied ich: Ich bot nicht alle Kraft auf, um wieder aufzuschließen! Zum Umkehren war ich schon zu weit von der Kontrollstelle weg. Deshalb fuhr ich nur verhalten weiter. Denn ich wusste, würde ich weiterheizen, dann hätte ich nicht mehr genug Power, um mich einer mich einholenden Gruppe anzuschließen.

Vor Osten holte mich ein einzelner Fahrer aus Verden (RV Etelsen?) ein, der kraftvoll in die Pedale trat. Ich blieb zunächst dran, merkte dann aber, dass er zu schnell war, als dass ich ohne Nachteile für mich hätte Führungsarbeit leisten können. Nur lutschen wollte ich auch nicht. In Osten stellte ich ihn kurz wieder, ließ ihn dann aber ziehen. - Später in der Wingst schnappten wir ihn uns. Ob er sich unserer Gruppe nicht anschließen wollte oder – ausgepowert - nicht mehr konnte, weiß ich nicht.

Also schonte ich mich, indem ich in Oberndorf hinter der Oste anhielt und auf die zweite Gruppe wartete. Die ließ leider nicht sehr lange auf sich warten. Ich erkannte einige Fahrer aus der ursprünglichen Spitzengruppe, die zum ersten Kontrollpunkt abgebogen waren. Sie hielten vor der roten Ampel und überquerten schließlich, die Aussicht auf den Fluss genießend, langsam die Brücke. Hurra! Ich war wieder dabei! Den Trikots nach zu urteilen, waren alle Einzelkämpfer. Besonders viel mir ein bärenstarker St. Paulianer auf, der oft führte und dabei im Gegensatz zu mir und den anderen ein besonders hohes Tempo anschlug.

Ich war froh, als wir in Gräpel die Fähre erreichten. Das Boot lag gerade auf der anderen Seite. Deshalb konnten wir etwas verschnaufen und uns über dieses Highlight der RTF freuen. Einige von uns zückten die Kamera. Wo sonst gibt’s noch eine RTF mit „Fährmann hol über!“. Eine tolle Idee der Stader.

Ralf auf der Faehre

Am anderen Ufer befand sich die Kontrollstelle 2 mit einem reichhaltigen Getränke- und Nahrungsangebot und vielen, vielen Wespen. Auch die Wirtsleute, die die Fähre betreiben, hofften auf ein gutes Geschäft und hatten, ich glaube, es war eine Wurstbude, aufgebaut und boten Getränke an. Hmm, an uns konnten Sie nichts verdienen. Die Kontrollstelle hatte ja alles, was das Herz begehrte. Ich holte mir meinen Stempel für die Wertung, aß schnell 2 Waffeln und ein Rosinenbrot und weiter ging es.

Wir waren nur noch zu fünft. Von hier ab wehte es oft von hinten. Daher blieb das Tempo hoch. Oft ging es über „gereifte“ S-Betonsteinstraßen mit gehörigen Lücken und zwar nicht nur auf diesem letzten Streckenabschnitt. Da fingen Rahmen und Körper ganz schön an zu vibrieren. Ich habe mit solchem Pflaster keine Probleme. Ich finde, das gehört einfach dazu. Es kann nicht immer über topfebenen neuen Asphalt gehen. Leute, die damit nicht leben könnten, sollten zumindest keine Rennen, wie z.B. die Cyclassics fahren. Mit Schrecken erinnere ich mich an die Hafendurchfahrt im vergangenen Jahr, wo der Asphalt teilweise mit Kopfsteinpflasterstreifen geflickt war und vor mir fahrende Radler ohne Warnung bremsten „Oh, das schöne Fahrrad...“! Mehrmals musste ich wegen dieser Leute eine Vollbremsung machen. Ich hatte großes Glück, dass nach mir fahrende Radler ebenfalls rechtzeitig bremsen konnten.

Wie dem auch sei. Wir kamen gut voran und erreichten Stade nach knapp 3 Stunden und 15 Minuten reiner Fahrzeit. Mein Tacho zeigte einen Schnitt von gut 34 km/h. Ich war zufrieden und bedankte mich bei den verbliebenen beiden Mitfahrern, die zwei anderen waren gleich auf den Parkplatz abgebogen.

Ich holte meine Wertungskarte und lobte die VfLer für die schönen Strecken und für die Top-Beschilderung. 400 Fahrer sollen mitgemacht haben, davon ca. 150 BDR-ler. Man sagte mir, dass die Strecken bis zum nächsten Jahr auf zahlreichen Abschnitten optimiert werden. Insbesondere sollen einige „Roubaix-Passagen“ wegfallen. Das halte ich, wie oben gesagt, nicht für erforderlich. Mir hat die RTF sehr gut gefallen. Wenn es geht, bin ich im nächsten Jahr wieder dabei.

Als ich dabei war, den für kleines Geld am Buffet erstandenen Kuchen zu essen und den Kaffee zu trinken, kam Bernd aus Hollern in die Sporthalle. Der Arme war am Samstag eine Woche vor dieser RTF mit dem Fahrrad gestürzt und brach sich dabei das linke Schlüsselbein. Am vergangenen Mittwoch setzten sie ihm in Stade eine Platte ein. Im Buch „Post aus Alpe d'Huez“ von Peter Winnen las ich, dass heute kein Mensch mehr ein Schlüsselbein braucht. Macht also nichts, wenn es nicht zu 100% gerade zusammenwächst, Bernd. Gute Besserung!

Allzeit unfall- und pannenfreie Fahrt wünscht euch
Ralf